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EINE APOTHEKERIN DER BESONDEREN ART

Die Brixner Stadtapotheke wurde 1602 gegründet und ist auch heute noch nach sieben Generationen im Besitz der Familie Peer. 2002 wurde im selben Hause im Obergeschoss genau 400 Jahre nach ihrer Gründung ein Pharmaziemuseum eröffnet, das die pharmaziegeschichtliche Sammlung und die Geschichte der Familie dem Publikum zugänglich machen. Das Museum präsentiert auch kulturelle und wissenschaftliche Projekte für Schulen und andere Institutionen. Frau Dr. Elisabeth Peer und ihr Mann führen mit großem Engagement das Spezialmuseum und fallen im Südtiroler Kulturpanorama durch ihre Zusammenarbeit mit verschiedenen Institutionen und Projekte auf. Nach einem informativen Besuch mit der Schule im Januar folgte ein Interview am 6. April mit Elisabeth Peer, der Leiterin des Museums, um Fragen über das Museum und die Familiengeschichte zu klären.

Wie kamen sie auf die Idee, ein Museum zu gründen?
„Aufgrund des großen Bestandes an pharmazeutischen Präparaten auf dem Dachboden, wurde 1987 eine 3-wöchige Ausstellung mit 3000 Besuchern zu einem Jubiläum veranstaltet. Auch wenn die Ausstellung wieder abgeräumt wurde, blieb die Idee. Beim Anlass des elfhundertjährigen Jubiläums der Stadt Brixen wurde die Idee zur Gründung eines Museums wieder aufgegriffen und letztendlich verwirklicht.“

Was hielten Sie anfangs von dieser Idee?
„Ich war schon immer davon begeistert. Insbesondere wie sich die Medizin und die Pharmazie entwickelt haben und auch von den früheren obskuren Behandlungsmethoden.“

Um ein Pharmaziemuseum zu leiten, muss man sicher viel Zeit und Kraft investieren, zahlt es sich heutzutage überhaupt aus?
„Eigentlich überhaupt nicht. Jedes kleine Museum, wie unseres, braucht Zuschüsse. In unserem Fall handelt es sich dabei um einen ehrenamtlichen Verein, der es uns ermöglicht uns nicht zu verschulden und auf der Nullgrenze zu bleiben. Besonders bei Sonderveranstaltungen muss man darauf Acht geben, die Nullgrenze nicht zu unterschreiten.“

Welche Botschaft wollen Sie mit dem Konzept des Museums den Besuchern überbringen?
„Ganz wichtig ist es mir, die Kenntnis von Heilmitteln und den Wissensstand der jeweiligen Zeit zu vermitteln. Auch wenn der Wissensstand uns keine Sicherheit gibt, da er sich stetig verändert.“

Welches Publikum wollen Sie damit ansprechen?
„Diese Botschaft sollte alle erreichen. Anfangs kamen häufig nur Apotheker und Mediziner ins Museum. Aber durch die Integration von anderen Elementen wie der Architektur und künstlerischen Objekte, konnten wir die Bandbreite unseres Publikums erweitern.

Außerdem führen Sie verschiedene Projekte durch, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Universität Padua. Haben Sie weitere Projekte in Aussicht?
„Die grundsätzlichen Aufgaben eines Museums sind sammeln, bewahren, vermitteln und forschen. Für ein kleines Museum, wie das Pharmaziemuseum Brixen, ist “forschen” die schwierigste, weil es viel kostet. Im Besitz des Museums befindet sich in Herbarium aus dem Jahr 1653, eine Sammlung von ca. 950 gepressten Heilpflanzen, die alle aus dem botanischen Garten aus Padua stammen. In Buchform gebunden gehört es zu unseren interessantesten und wertvollsten Objekten. Jüngst wurde es unter Aufsicht der Bayerischen Staatsbibliothek restauriert und bei dieser Gelegenheit auch digitalisiert. Weltweit gibt es laut Auskunft der Universität Padua nur mehr ca. 10 Exemplare, die meisten davon im Privatbesitz in England. Padua besitzt kein Exemplar aus dieser Zeit und ist deshalb an einer Zusammenarbeit sehr interessiert. Die im Herbarium aufgeführten 950 Heilpflanzen sind ursprünglich lateinisch beschriftet, dann im 17. Jahrhundert mit deutschen Namen und mit Hinweisen auf die pharmazeutische Verwendung ergänzt worden.
Zur Erschließung dieser Ergänzungen braucht es die Hilfe eines Graphologen und zum Schluss gilt es auch zu vergleichen, welche Pflanzen damals wie heute als Arzneipflanzen galten. Wenn alles gut geht, können wir etwa in einem Jahr alle noch fehlenden Daten in unserer Museumspräsentation ergänzen und dann ein bearbeitetes, bald 400 Jahre altes Herbarium zeigen. Und die Universität Padua kann die Entwicklung der Didaktik am Botanischen Garten nachvollziehen, weil die bisher bestehende Lücke im 17. Jahrhundert durch diese gemeinsame Arbeit geschlossen wird.
Soviel zur Mitarbeit mit der Universität Padua. Außerdem werden auch Lesungen und Konzerte organisiert, um ein großes Publikum anzuziehen.“

Im Museum haben wir verschiedene Exponate zum Thema Alternativmedizin gesehen. Was halten Sie persönlich davon? Und wie stehen Sie zur Homöopathie?
„Hier im Pharmaziemuseum Brixen behandeln wir das Thema Homöopathie. Ein Besucher hat jedoch diese Art von Behandlung und ihre Präsentation sehr kritisiert, da sie nicht als Wissenschaft bezeichnet werden kann. Ich persönlich bin der Meinung, dass das wichtigste einer medizinische Behandlung die Wirksamkeit ist: es muss den Kranken helfen. Einen großen Anteil spielt der Placeboeffekt, welcher im Durchschnitt zu 50% bei der Heilung mitwirkt.“

Ist es ihnen sehr wichtig, dass das Museum in Familienbesitz bleibt? Hätten Sie es auch akzeptiert, wenn ihr Sohn eine andere Karriere eingeschlagen hätte?
„Ja, für mich ist es schon wichtig, dass das Museum in Familienbesitz bleibt. Aber ich hätte meinen Sohn nie dazu gezwungen es weiterzuführen. Mir war es wichtig, dass er das macht was ihm gefällt. Früher wurden die Kinder schon oft dazu gezwungen eine bestimmte Laufbahn einzuschlagen, wie zum Beispiel auch mein Mann.
Wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview wurde am 06. April 2016 von in Brixen geführt. Das Interview führten Enrico Meucci und Ginaluca Bona aus der Klasse 4 A des Realgymnasiuns „Torricelli“ in Bozen.
http://www.pharmaziemuseum.it/it/

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